Kirchen im früheren Wedding
heute: Kirchenkreis Berlin Nord-Ost /
www.kiche-berlin-nordost.de
3. Teil
1250-1880
Die Entstehung der Kirchengemeinden
im ehemaligen
Kirchenkreis Wedding (heute fusioniert im Kirchenkreis Berlin
Nord-Ost)
Ein kurzer historischer Rückblick
Teilung und Wende
Der Bau der Mauer am
13. August 1961 teilte auch einige Weddinger Kirchengemeinden. Bei der
Einteilung der Bezirksgrenzen hatte man auf kirchliche Einteilungen keine
Rücksicht genommen.
Besonders schmerzlich erlebte das die
Versöhnungsgemeinde. Die Versöhnungskirche war nach Renovierungen ab
1950 wieder benutzt worden. Durch den Mauerbau geriet sie nun plötzlich
ins Niemandsland der Bernauer Str. Der größte Teil der Gemeinde
wurde von seinem Gotteshaus getrennt, die Wohnhäuser an der Südseite
der Bernauer Straße abgerissen. Für viele Jahre stand die
Versöhnungskirche weitgehend intakt als Symbol der Spaltung auf dem
Todesstreifen. Ihr Name bekam durch die historischen Ereignisse einen ganz
neuen Klang.
Die Gemeinde erhielt 1965 ein neues Gemeindezentrum auf der
anderen Straßenseite. Auch die Martin-Luther Gemeinde Pankow mit dem
Lutherhaus in der Pradelstr. wurde durch die neue Grenzziehung geteilt. Der
südlich der S-Bahn gelegene Teil Pankows war zum Bezirk Wedding geschlagen
worden. Kirchlich wurde das Gebiet aber weiterhin von der Pankower Gemeinde
betreut. 1962 wurde für das Westberliner Teilgebiet die Gemeinde
Martin-Luther Pankow-West gegründet. Aus
Bauteilen einer Spende des Schwedischen Hilfswerks wurde 1962 bis 1963 an der
Wollankstr. ein Gemeindezentrum mit einem Kirchsaal erbaut, das später
durch weitere Gebäude ergänzt wurde. Die Friedensgemeinde erhielt
1961/1963 ebenfalls ein Gemeindehaus in der Wolliner Str., das mittlerweile zur
Heimat der Friedensgemeinde geworden ist.
Die im Krieg
unzerstört gebliebene Friedenskirche wird heute ausschließlich von
der Serbisch-Orthodoxen Kirche als Gottesdienststätte genutzt. Das 1963
errichtete Neue Gemeindehaus der St. Paulsgemeinde ist an einen türkischen
Fernsehsender vermietet worden.
Die Neue Nazarethkirche wurde von der
Nazarethgemeinde aufgegeben und wird in der Zwischenzeit von verschiedenen
christlichen Gruppierungen aus dem freikirchlichen Bereich genutzt.
Die
Nazarethgemeinde hat ihre Heimat in der alten Schinkelkirche wiedergefunden,
die mittlerweile durch eine Zwischendecke geteilt wurde. Im Erdgeschoss ist
eine Kindertagesstätte untergebracht, der Saal im Obergeschoss wurde
restauriert, wobei man sich möglichst an den alten Stil gehalten hat.
Am Erntedankfest 1972 wurde der Neubau der
Dankeskirche, bei dem die Außenwände aus Sichtbeton gestaltet
wurden, eingeweiht. Die zerstörte alte Kirche war 1949 abgetragen worden.
Zwischenzeitlich hatte die Gemeinde ihren Gottesdienst in einer der
Notkirchen von Otto Bartning gehalten. Dieses
Gebäude wird heute als Kirchhofskappelle des
Dorotheenstädtischen Kirchhofs II in der Liesenstr. genutzt.
Im Jahre 1975 wurde aus dem nördlichen Teil des Kirchenkreises Berlin Stadt II und dem Kirchenkreis Berlin Stadt IIIa (der in Westberlin liegende Teil des Kreises Berlin Stadt III) der Kirchenkreis Wedding gebildet.
Damit waren zum ersten Mal
politische und kirchliche Grenzen weitgehend identisch. Jüngstes Kind der
Kapernaum-Gemeinde ist das am 21. Februar 1976 eingeweihte
Gemeindezentrum Schillerhöhe an der Brienzer
Str. 13 Jahre lang hatte sich dieser Gemeindeteil im "Petrisaal", einer
Ladenkirche getroffen. Aber den Schritt zur Bildung einer eigenen Gemeinde
verfehlte die Schillerhöhe. Sie blieb Gemeindeteil von Kapernaum. Die Zeit
der kirchlichen Expansion und Wiederaufbaus war vorbei.
Am Horizont tauchte
das Gespenst der Finanzkrise auf. Relativ beherzt wurde auch dieses Problem im
Wedding angegangen. Eine Gebäudevisitation wurde durchgeführt und
schmerzliche Einschnitte beschlossen. Einige Folgen sind schon benannt worden.
Damit wurde erreicht, dass der Wedding bislang geschafft hat, mit den
vorhandenen Mitteln auszukommen. Die Geschichte hat es die Weddinger gelehrt,
die Bäume nicht in den Himmel wachsen zu lassen und die Zukunft
realistisch einzuschätzen. Dabei haben sie sich den Sinn für die
Historie ihrer Kirchen bewahrt.
Am 9. Oktober 1991, zum
150. Todestag ihres Architekten konnte die St. Paulskirche nach
gründlicher Renovierung und Neugestaltung wieder eröffnet werden.
Am 28. Januar 1985 hatte die DDR den Turm der Versöhnungskirche
gesprengt (das Kirchenschiff war bereits am 22.1. in Schutt und Asche gelegt
worden). Sie wollten damit Fakten schaffen und die Teilung Deutschlands
endgültig zementieren. Heute ist das Grundstück an der Bernauer Str.
wieder im Besitz der Versöhnungsgemeinde. Die Glocken der alten Kirche,
die vor der Sprengung gerettet werden konnten, läuten wieder zum
Gottesdienst. Auf dem Grundriss der alten Versöhnungskirche wurde aus
gestampftem Lehm, die Kapelle der Versöhnung
errichtet und zum Jahrestag der Maueröffnung am 9. November 2000
eingeweiht. Eine Delegation aus Coventry stiftete das Kreuz als Zeichen der
Versöhnung über alle Grenzen hinweg.
Das Gemeindehaus der
Versöhnungsgemeinde wurde als Teil der "Gedenkstätte Berliner Mauer" zum
Dokumentationszentrum Berliner Mauer umgebaut. So
werden auch in schwieriger Zeit immer wieder Zeichen der Hoffnung gesetzt.
Durch die politischen
Veränderungen wurde der Wedding wieder zur historischen Mitte Berlins.
Alte Verbindungen wurden wiederhergestellt, aber nicht alle Hoffnungen gingen
in Erfüllung. Die geteilte Martin-Luther Gemeinde fand nicht wieder
zusammen. Trotz aller Verhandlungen wuchs nicht zusammen, was mal
zusammengehörte. Die Kirchengemeinde Martin-Luther Pankow-West blieb
erhalten und orientierte sich im Wedding. Allerdings musste sie sich
verkleinern.
Am Ostermontag 2004 nahm die Gemeinde Abschied von ihrer
Holzkirche und zog in das Gemeindehaus, wo seit dem der Gottesdienst und die
Gemeindeveranstaltungen stattfinden. Die Gemeinden rücken näher
zusammen, denn der finanzielle Druck macht es unmöglich, dass jede
Gemeinde alle Angebote machen kann. Innerhalb von vier Regionen versuchen die
Gemeinden zu kooperieren.
Am Himmelfahrtstag, den 24. Mai 2001 kam es zum
Zusammenschluss der zwei Kirchengemeinden Frieden und Himmelfahrt zur Gemeinde
am Humboldthain. Die Kindertagesstätte zog in die Gustav-Meyer Allee und
das Gemeindehaus in der Wolliner Str. wurde aufgegeben und ist jetzt
langfristig vermietet.
Damit hat er den
Stadtbezirk überlebt, der in den neuen Stadtbezirk Mitte aufgegangen ist.
Der Kirchenkreis hat bisher allen Bemühungen wiederstanden, sich
anschließen zu lassen. Als Teil des Kirchenkreisverbandes Berlin
Nord-Süd kooperiert der Wedding mit anderen Kirchenkreisen, aber bisher
auf der Basis der gleichberechtigten Zusammenarbeit.
Am 15. April 2005 feierte der Kirchenkreis Wedding seinen 30.
Geburtstag.
Pfarrer Andreas Hoffmann (Kreisarchivar)
Quellen: 700 Jahre Wedding,
Geschichte eines Berliner Bezirks, Berlin 1951
Evangelische Kirchen in
Berlin, Günther Kühne/Elisabeth Stephani, Berlin 1978
NACHTRAG:
Aus DREI mach EINS
Die Kirchenkreise Pankow,
Wedding und Weißensee haben fusioniert!
Pankow,
Wedding und Weißensee NEUER KIRCHENKREIS: Evangelischer
Kirchenkreis Berlin Nord-Ost (EKBENO)
Am Sonnabend,
12.4.2008, tagten die Kreissynoden der Kirchenkreise Pankow, Wedding und
Weißensee in der Stephanusstiftung in Weißensee. In getrennten
Sitzungen wurde der Fusion der drei Kirchenkreise zugestimmt, mit nur wenigen
Nein-Stimmen und einigen Enthaltungen.
Vorher wurde in gemeinsamer Sitzung
aber in nach Kirchenkreisen getrennten Abstimmungen eine
Strukturanpassungsverordnung für die Organe des neuen Kirchenkreises
beschlossen, ebenso ein Strukturanpassungsverordnung über Finanz- und
Haushaltsfragen (Geltungsdauer bis 31.12.2012).
Als Name des neuen
Kirchenkreises wurde mehrheitlich der Name: Evangelischer Kirchenkreis Berlin
Nord-Ost (ekbeno) beschlossen.
Die Konstituierung der Neuen Kreissynode
fand am 14.6.2008 statt .
Der Neue "Kirchenkreis Berlin Nord-Ost" Sie hat 73.500 Gemeindemitglieder, die in den Bezirken Pankow, Mitte, Lichtenberg und Marzahn und in den Landkreisen Oberhavel und Barnim wohnen. Zum neuen Kirchenkreis gehören nach derzeitigem Stand 46 Kirchengemeinden, davon 18 Gemeinden in Dörfern außerhalb der Stadtgrenze Berlins. Die kleinste hat 34 Mitglieder und liegt im Kirchenkreis Weißensee, die größte hat knapp 7000 Mitglieder und liegt im Kirchenkreis Wedding.