|
|
Von der Versöhnungskirche zur Kapelle der Versöhnung 3. Teil Was hat es zu bedeuten, daß im 19.
Jahrhundert in einem Arbeiterviertel eine gotische Kirche errichtet wird?
Symbole sind Gefühlssache, es gehört Intuition dazu, sie zu
verstehen. In der Neugotik schwingt romantisches Gefühl mit, die
Ästhetik des Erhabenen, Überwältigenden. Es war wohl ein Symbol, hätte man so auch von der Versöhnungskirche sagen können, von dem Zeitpunkt an, da die Gemeindemitglieder die Sektorengrenze zu überschreiten hatten, um das Kirchengrundstück zu betreten. Aber nicht im Bau von Kirchen findet das zwanzigste Jahrhundert eigentlich seine Symbole, sondern in ihrer Zerstörung. Und daß einer in der Sprengung einer Kirche ein Symbol sehen kann, ist selbst wieder eine Metapher für den destruktiven Charakter dieses Jahrhunderts. Die Sprengung sollte freies Schußfeld schaffen. Aber sie sollte noch mehr. Ein Bild sollte vernichtet werden. Strafte doch die eingemauerte Kirche, die auch noch den Namen "Versöhnung" trug, die Begründung der Mauer als "antifaschistischer Schutzwall" Lüge. |